Category Archives: Alex in Toronto

Eine Busfahrt, die ist lustig…

Hier gibt es mal wieder ein Lebenszeichen meinerseits. Ende März habe ich mich nach erfolgreichem Abschluss meines Semesters in Toronto mal wieder für zwei Wochen in die Vereinigten Staaten begeben. Meine ehemaligen Gasteltern haben mich netterweise zu ihrem Springbreak in Arkansas, Oklahoma und Missouri eingeladen, allerdings muss ich dazu erst mal von Toronto nach South Haven, Michigan kommen. Da der öffentliche Personen Nah- und Fernverkehr in Nordamerika ja eher verkümmert ist, habe ich mich dann erstmal mehrere Tage mit dem Onlinebuchungssystem des Greyhounds rumgeschlagen, bis ich dann nach Rücksprache mit dem Personal im Busterminal den billigsten Weg gefunden hatte.

Freitag früh dann um halb 9 in Toronto in den Bus gesetzt und los ging die Fahrt nach Detroit, Michigan. Die Fahrt verlief, wie erwartet, ereignislos bis zum Grenzübergang Detroit, Mi/Windsor, ON. Die meisten Passagiere hatten den Bus bereits in London und Windsor verlassen, insofern waren noch 7 Leute plus dem Busfahrer beim Grenzübergang an Bord. Die Einreise in die USA verlief bei 6 der 7 verbliebenen Passagiere mehr oder weniger glimpflich, und nach 30 Minuten saßen alle bis auf einen wieder im Bus. Der Übergebliebene Herr war mir im Bus schon aufgefallen, da er nur Spanisch sprach, aber das ist für Leute, die in Toronto in den Bus steigen, nicht besonders außergewöhnlich. Der gute Mann stand dann einen Schalter neben mir bei den netten Herren von der Border Patron, so konnte ich gut verfolgen, welch Drama sich nun abspielte: Erstmal musste natürlich ein Immigrationofficer gefunden werden, der des Spanischen mächtig war. So gut wie der allerdings Spanisch konnte, hätte ich das dann vermutlich auch gekonnt. Ziemlich schnell stellte sich dann heraus, dass unser nur-spanischsprechender Freund mit einer kubanischen Staatsbürgerschaft ausgestattet war. Problematisch. Weiterhin hatte der arme Kerl offensichtlich den Glauben, dass es eine gute Idee sei, dem Ablaufen seiner Kanadischen Aufenthaltsgenehmigung entgegenzuwirken, indem er in die USA einreist und um so in Kanada wieder einreisen zu können. Ebenso problematisch da Kubanischer Staatsbürger.

Nach mehr oder weniger ausführlicher Kontrolle der Gepäckstücke saßen wir dann alle – bis auf den Kubaner natürlich – wieder im Bus und warteten auf die Weiterreise, die nur noch 5 Minuten länger dauern sollte, da wir dann den Busterminal in Detroit erreichen würden, wo ich den nächsten Bus weiter Richtung Westen umsteigen würde. Weiterfahren konnten wir aber nur mit dem Kubaner, bzw. die Leute, die nur bis Detroit reisen wollten, durften sich auch nicht am Grenzübergang (der mitten in der Stadt ist) abholen lassen. Der Bus muss erst weiterfahren, es darf niemand alleine vom Gelände. Naja, ziemlich bald kam dann einer der Immigrationofficer und gab das OK zu weiterfahrt, der Kubaner durfte nicht einreisen. Er würde mit dem Taxi zurück durch den Tunnel unter dem Fluss zurück nach Windsor, Kanada gebracht werden. Ob die Kanadier ihn allerdings wieder ins Land lassen gelassen haben, wissen wir nicht.

Nachdem das ja der Ereignisse schon genug war, gibt es aber trotzdem noch einiges zu erzählen, was sich weiterhin auf der Busfahrt passierte. Pünktlich verließen wir den Busbahnhof in Detroit mit Ziel Kalamazoo, Michigan in Richtung Westen. Nach 10 Minuten auf dem Highway durch das ja doch leider recht heruntergekommene Detroit machten wir allerdings kehrt und fuhren wieder zurück, durch downtown in Richtung Detroit Eastside. Wenig erbaulich. Und auch keine Info vom Busfahrer warum. Diese ja doch eher gefährliche Gegend in Detroit, gesäumt von Hausruinen, abgebrannten Autowracks und verdächtig wirkenden Menschenansammlungen, beunruhigte dann doch so ziemlich alle Insassen im Bus.

Entwarnung gab dann aber der Busfahrer, der erklärte, dass wir den Bus wechseln müssten, da unserer dabei war den Geist aufzugeben. Die ganze Episode dauerte in Etwa eine halbe Stunde, insofern kamen wir mit 25 Minuten Verspätung in Kalamazoo an, wo ich dann von meinen Gasteltern abgeholt worden bin.

Road Tripping

Hier mal wieder ein Lebenszeichen:

Die zweite Uni-Woche haben Olli und ich gleich mal genutzt um uns das Land anzugucken! Inklusive deutschem Besuch aus Konstanz und Umgebung, genauer Meike und Franzi, haben wir uns freitag vor einer Woche auf den Weg ins gelobte Land gemacht und haben den Grenzübertritt in die US of A. auch ohne größere Zwischenfälle hinter uns gebracht. Dann ging’s auch direkt in die nächste Outlet Mall. Das haben wir dann zweieinhalb Tage lang gemacht, bis nix mehr ins Auto gegangen ist. Sonntags sind wir dann auf dem Rückweg bei den Niagara-Fällen vorbei gefahren, wie immer sehr imposant.

Montag und Dienstag waren dann kurze Road-Trip-Pause zwecks Uni (da war ja noch was). Mittwoch früh haben wir dann die Route in Richtung Osten fortgesetzt mit ersten Zwischenstopp im Algonquin Provincial Park. Dort hieß es erst mal wandern und Tiere gucken, übliche Verdächtige wie Bären und Elche wollten sich aber nicht zeigen. Dafür gab’s einen Wolf zu sehen. Übernachtung war auf dem Campingplatz mit Lagerfeuer, aber immer noch ohne Bär.

Donnerstags hieß das nächste Ziel Ottawa, Kanadas Hauptstadt. Allerdings nicht ohne auf dem Weg dahin einen Pitstopp für Kaffee und Kuchen bei meinen Verwandten auf der Farm einzulegen. Sehr unterhaltsam war hier die obligatorische Tour mit dem Pick-Up-Truck durch den Farmeigenen Busch, bei der wir sogar noch zur Axt greifen mussten und dann doch noch einen üblichen Verdächtigen getroffen haben: den Biber.

In Ottawa gab’s nette Menschen im Hostel und am nächsten Tag ne Tour im Parlament, sogar auf französisch, weil die englische voll war. Naja, ich glaub das wichtigste habe ich verstanden. Dann noch Burger mit einem weiteren alten Bekannten aus Konstanz, dem lieben Mike.

Und dann stand im Navi auch schon das nächste Etappenziel: Montreal. Hier haben die Leute jetzt nur noch französisch geredet, ich also dann nicht mehr soviel, aber war ok. Montreal ist sehr nett, hat einen total europäischen Einschlag, irgendwie ist das alles sehr surreal. Wie eigentlich den ganzen Trip waren auch hier wieder lauter Deutsche anzutreffen, eigentlich ein bisschen erschreckend, aber gut, muss man mit leben. Im Hafen von Montreal lag auch die AIDA, mehr braucht man dann wohl nicht zu sagen.

Am Samstag haben wir dann den Rückweg angetreten mit Zwischenhalt in Kingston. Da gibt’s Fort Henry und lauter andere tolle Sachen von früher. Außerdem war die ganze Stadt voll mit Besoffenen und als wir vom Highway runtergefahren sind, waren wir in einer kanadischen Polizeikontrolle, war aber sehr entspannt.

Sonntag nachmittags sind wir dann wohlbehalten dank unseren kompetenten Fahrer Olli wieder in Toronto angekommen. In der Stadt will man übrigens nicht Auto fahren. Fürchterlich.

Besonderer Dank geht auch noch an Nokia für die kostenlose Navigationssoftware und den deutschen Besuch, der das Auto gemietet hat!

Fotos lade ich bestimmt auch mal hoch…

You are already on the subway! (Public Transit in Toronto)

Nach nun mehr zwei Wochen Aufenthalt in Toronto hier dann doch mal ein Blog-Eintrag für die Zurückgebliebenen in der Alten Welt:

Das wohl selbstverständlichste für eine Großstadt, ein funktionierendes Öffentliches Personennahverkehr-System, birgt in Toronto so seine Tücken. Dies fängt damit an, dass man am Flughafen steht und leider kein Kleingeld dabei hat, der Busfahrer aber leider auch nichts wechselt. Dies führt unumstößlich dazu, dass man den nächsten Bus nimmt, da man noch schnell im Flughafen Kaugummis oder ähnliches zwecks Geldwechseln kaufen muss. Nicht so tragisch, da die Busse im Minutentakt kommen, aber trotzdem aufregend.

Wenn dann der Bus vom Flughafen an der U-Bahnstation ankommt, ist man direkt in der U-Bahn, was mir der Supervisor auch genauso, wie im Titel dieses Artikel, erklärt hat, da ich auf der Suche nach einem Ticketschalter war. So wird im ÖPNV in Toronto das System der “Transfers” benutzt. Klein Zettel, die einem beim ersten Einstieg und Bezahlen in die Hand gedrückt werden, mit denen man (wenn man den direkten Weg nimmt) auch umsteigen kann und so bis zu seiner Endstation kommt. Fragwürdig.

Zum Glück war ja Monatswechsel und ich bin jetzt im Besitz eines Monatstickets. Dieses zu bekommen, bzw. das für Studenten ermäßigte, ist dann auch noch mal ein Riesenspass: Hier muss man sich an einer Photo-ID-Office mit ungefähr 300 bis 400 weiteren Leuten täglich stundenlang anstellen, um dann 20 CAD beim Monatsticket zu sparen. Die Schlange war natürlich besonders lang, weil das alle für September haben wollten, da die Uni wieder losgeht. Serviceorientierung sieht natürlich anders aus, aber andererseits funktioniert in der U-Bahn die Klimaanlage immer bestens.

Ansonsten ist man doch irgendwie immer lange unterwegs, egal wo man hin will, die Wege sind doch schon weitläufig, muss man sich halt immer was zu lesen mitnehmen. Ich selber habe eine 24-Stunden Straßenbahn direkt vor der Haustür, das ist ganz praktisch, und bin dann kurze Zeit später an der U-Bahn. Insofern ist Public Transit in Toronto auch nur solange aufregend, wie man ihn nicht verstanden hat.

Soviel dazu, mehr folgt…